Johann Ernst Hebenstreit
und seine Forschungsreise nach Nordafrika



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Über Hebenstreit und seine Afrika-Expedition

Johann Ernst Hebenstreit, am 15. Januar 1702 in Neustadt an der Orla geboren, entstammt einer sehr angesehenen Gelehrtenfamilie, die Geistliche, Professoren, Juristen und Ärzte hervorbrachte. Vater Johann David war zunächst Pfarrer in Neunhofen, später Diakonus und Archidiakonus in Neustadt. Mutter Esther Susanna wurde in eine weitverzweigte Pastorenfamilie in Lausick bei Leipzig hineingeboren. Johann Ernst sollte halten, was die Gene versprachen.
Erste Schulkenntnisse bekam er vom Vater vermittelt, ehe er Unterricht bei Thoelitzsch und Wendler (Konrektor und Rektor der Neustädter Schule) nahm. 1716 wechselte Hebenstreit an das Gymnasium in Weimar, wo ihm eine außerordentliche Begabung zugesprochen wurde und er große Fortschritte in lateinischer und griechischer Sprache machte. 1719 begann er sein Studium der Naturgeschichte und Medizin in Jena. Weil er auf Wohltätigkeit und finanzielle Unterstützung angewiesen war, die er in Jena nicht fand, wechselte Hebenstreit ein Jahr später nach Leipzig, wo er eine Stelle im Konvikt und ein königliches Stipendium erhielt. Dieser Schritt sollte Grundlage für sein weiteres Schaffen werden. Er erwarb sich umfangreiche naturwissenschaftliche Kenntnisse, erhielt 1728 die Würde eines Magisters der Philosophie, im Jahr darauf das Recht, philosophische Privatvorlesungen zu halten und wurde 1730 zum Dr. artis medicae ernannt.

Hebenstreits besonderes Interesse galt allerdings der Botanik. Der Handelsherr Kaspar Bose übertrug ihm die Leitung seines botanischen Gartens, was Hebenstreit großes Lob einbrachte, unter anderem vom königlichen Leibarzt Hofrat von Heucher. Dieser war es auch, der Hebenstreit empfahl, als August der Starke plante, eine Forschungsexpedition nach Afrika zu senden. Dort sollten Naturalien gesammelt und lebende Tiere erworben werden. August hatte den Anspruch, seine Sammlungen zu den größten und vollständigsten in Europa zu machen. Außerdem waren wilde und seltene Tiere bei Tierkämpfen, die auf Hoffesten abgehalten wurden, eine besondere Attraktion.

Nachdem der Treueeid geleistet und die Expedition in Dresden verabschiedet war, trat die Gesellschaft, bestehend aus Hebenstreit und fünf weiteren Expeditionsmitgliedern (Christian Gottlieb Ludwig, Johann Heinrich Buchner, Christian August Ebersbach, Zacharias Philipp Schulze, Christian Friedrich Schuberth) ihre Reise am 30. Oktober 1731 in Leipzig an. Ausgestattet mit Kleidung, Waffen, Medikamenten, Pässen und Empfehlungsschreiben reisten sie über Frankfurt am Main und Karlsruhe (hier stießt der Hofgärtner Christan Thran hinzu), durch die Schweiz und Frankreich, wo sie bis zum 24. Januar 1732 in Marseille auf ein Schiff nach Afrika warten mussten. Nach 23tägiger, teils stürmischer Seereise, erreichte die Gruppe um Hebenstreit am 16. Februar Algier. Ein Jahr würde ihnen bleiben, Nordafrika zu erkunden, die Tier- und Pflanzenwelt zu erforschen und römische Altertümer zu besuchen. Nach dem Tod Augusts des Starken am 1. Februar 1733 wurde die Expedition zurückgerufen. Im September des Jahres heimgekehrt, brachte Hebenstreit einen großen Schatz an seltenen Pflanzen und eine beträchtliche Zahl an exotischen Tieren mit nach Dresden. Auch für die Heimkehr eines Landsmannes konnte er sorgen, gelang es ihm doch, den Bruder eines Schleizer Bürgers, der als Sklave von den Korsaren in Algerien festgehalten wurde, für 1000 Taler loszukaufen.

Nachdem Hebenstreit in Dresden Bericht über die Reise erstattet hatte, kehrte er nach Leipzig zurück. Dort wurde er als praktizierender Arzt sehr in Anspruch genommen. So soll er auch einer von zwei Ärzten sein, die Johann Sebastian Bach nach einer missglückten Augenoperation besonders gewissenhaft behandelt haben. Nach der Rückkehr aus Afrika nahm Hebenstreit seine Tätigkeit an der Leipziger Universität wieder auf. Er übernahm die Professur für Physiologie, 1737 auch die der Anatomie und Chirurgie. 10 Jahre später wurde er zudem Professor der Pathologie und im Jahr 1748 sowohl Professor der Therapie als auch Dekan der medizinischen Fakultät.

Johann Ernst Hebenstreit heiratete 1739 Johanna Wilhelmina, die kurz nach der Geburt des Sohnes Georg Ernst im selben Jahr starb. Mit seiner zweiten Frau, Christiana Eugenie Bosseck, hatte er sieben Kinder. Tochter Christiana Benedicta Eugenia (1752-1819) gilt als eine der Begründerinnen des historischen Romans in Deutschland.

Johann Ernst Hebenstreit war Mitglied der Leopoldinisch-Karolinischen naturforschenden Gesellschaft und der Gesellschaft der Wissenschaften in Marseille. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften auf den Gebieten der Anatomie, Physiologie, praktischen Medizin und Naturwissenschaften. Carl von Linné
benannte ihm zu Ehren die Gattung Hebenstretia der Pflanzenfamilie der Braunwurzgewächse. Hebenstreit, dem nachgesagt wurde, eine der schönsten Bibliotheken seiner Zeit zu besitzen, verfasste auch lateinische Lehrgedichte.

Nach der Schlacht bei Rossbach wurden die Verwundeten nach Leipzig gebracht, wo sich der dienstbeflissene Arzt um deren Behandlung kümmerte. Johann Ernst Hebenstreit starb in Folge dessen am 5. Dezember 1757 an Lararetttyphus und musste trotz umfassender schriftstellerischer, praktischer und akademischer Arbeiten seine Familie in dürftigen Verhältnissen zurücklassen.
Quellen

Eine Afrikareise im Auftrag des Stadtgründers. Das Tagebuch des Karlsruher Hofgärtners Christian Thran 1731-1733. Karlsruhe 2008.

Beaujean, Marion, „Naubert, Benedikte“. In: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 757-758 [Onlinefassung].
URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118586564.html

Bernoulli, Johann: Johann Bernoulli’s Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntniß dienender Nachrichten. Berlin, Leipzig 1783.
Neunter Band: Erster Bericht
Zehnter Band: Zweiter Bericht
Elfter Band: Dritter Bericht
Zwölfter Band: Vierter Bericht

Böcker, Ralf: Eine Leipziger Afrikaexpedition im Jahre 1731. In: Unsere Heimat. Unterhaltungsbeilage zum „Neustädter Kreisboten“, Nr. 38+39/1929.

Carus, Victor, „Hebenstreit, Joh. Ernst“. In: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 196 [Onlinefassung].
URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116555424.html?anchor=adb

Gottsched, Johann Christoph: Briefwechsel unter Einschluß des Briefwechsels von Luise Adelgunde Victorie Gottsched. Bd. 2: 1731 – 1733. Berlin [u.a.] 2008.

Grosse, Martin: Die beiden Afrika Forscher Johann Ernst Hebenstreit und Christian Gottlieb Ludwig: ihr Leben und ihre Reise. In: Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig 1901. Leipzig 1902.

Hänsel, Robert: Berühmte Männer unserer Heimat. In: Unsere Heimat. Unterhaltungsbeilage zum „Neustädter Kreisboten“, Nr. 18 /1926.

Ludewig, Reinhard, Prof. Dr. med (Leipzig), Schreiben an Arthur Hoffmann, Bürgermeister von Neustadt an der Orla, 14.1.2000.

Eine Afrikareise im Auftrag des Stadtgründers: das Tagebuch des Karlsruher Hofgärtners Christian Thran 1731 - 1733. Karlsruhe 2008.

Uschmann, Georg, „Hebenstreit, Johann Ernst“. In: Neue deutsche Biographie 8 (1969), S. 168 [Onlinefassung];
URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116555424.html

Zwischen Saale und Orla: Heimatbuch des Kreises Pößneck. Pößneck 1957


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